Der Sinn unterschiedlicher Spezifikationen

Veröffentlicht von Jörg Friedrich am 12. Oktober 2010

Anforderungsdokument, Fachkonzept, DV-Konzept, … wozu braucht man eigentlich mehr als ein Dokument, in dem alle Vorgaben für die Entwicklung eines Software-Systems enthalten sind?

Zunächst einmal ist eine begriffliche Klärung notwendig. Viele Projektbeteiligte bezeichnen quasi alles, was in irgendeiner Form bereitgestellt wird, damit die Entwicklungs-Firma ihre Arbeit machen kann, als Spezifikation – oft als Anforderungs-Spezifikation, bezeichnet. Das erweckt den Eindruck, als ob in all diesen Dokumenten irgendwie das Gleiche stehen würde. Aber es gibt riesige Unterschiede.

Ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich soll das verdeutlichen:

Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Haus für Ihre Familie bauen. Sie gehen also zum Architekten, und der fragt Sie erst einmal aus:

  • Wieviele Personen sollen in dem Haus wohnen, welches Alter haben diese Menschen (Kinder, Großeltern,…)?
  • Welche Hobbies haben Sie, kochen Sie gern, sind Sie Handwerker,…?
  • Was ist Ihnen sonst noch wichtig?

Das alles fasst der Architekt in einem Dokument zusammen und stimmt es mit Ihnen ab. Das ist das Anforderungsdokument.

Dann macht der Architekt Ansichten, Zeichnungen, Grundrisse, das alles sind Modelle, die Ihnen zeigen, wie Ihr Haus einmal aussehen wird, die Ihnen schon jetzt sichtbar machen, was Sie auch später einmal sehen werden. Diese Modelle bilden das, was wir im Software-Projekt das Fachkonzept nennen. Das Fachkonzept zeigt, wie das fertige System einmal für den Nutzer aussehen wird, wie es sich sozusagen an der Außen-Schnittstelle zeigt.

Dann kommen die Ingenieure ins Spiel. Sie entwerfen die eigentliche Struktur des Hauses:

  • Wie sind die Wände und die Decken aufgebaut?
  • Wie wird die Statik sicher gestellt?
  • Woraus besteht das Dach?

Diesen Dokumenten entspricht das DV-Konzept im Softwareprojekt.

Es ist klar, dass Sie als Bauherr nicht an der Statik erkennen können, ob Ihre Kinder sich in dem Haus einmal wohl fühlen werden. Deshalb wird ein guter Architekt mit Ihnen zuerst Ihre Anforderungen aufschreiben, und Ihnen dann zeigen, wie diese Anforderungen in den Außenansichten und Grundrissen umgesetzt werden.

Damit ein gutes Ergebnis entsteht, sind also drei Schritte notwendig, und in jedem Schritt braucht man

  • eine geeignete Sprache, in der die Beteiligten das Dokument verstehen,
  • einen optimalen Detaillierungsgrad
  • ein spezielles Know-How bei dem, der das jeweilige Dokument erstellt.

Genauso ist es beim Software-Projekt.

  1. Der Business Analyst erfasst die Anforderungen und dokumentiert diese in einer strukturierten Form. Er stellt sicher, dass alle Anforderungs-Typen berücksichtigt werden und mögliche Wechselwirkungen zwischen Anforderungen bereits frühzeitig mit dem Nutzer erkannt werden.
  2. Der Funktionale Analyst stellt dar, wie das System für externe Akteuer aussieht. Dabei kann es sich um Benutzer, aber auch um andere Systeme handeln.
  3. Der System-Architekt konstruiert das eigentliche System, er entwirft Schichten und Module. Diese Arbeit kann in unterschiedlichem Detaillierungs-Grad erfolgen.

Wichtig ist, dass sich jeder Autor mit sowohl mit dem versteht, der ihm Informationen liefert, als auch mit demjenigen, der als Adressat seine Ergebnisse weiter verarbeitet.

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