ResearchBlogging.orgDie Idee ist rund zehn Jahre alt, und ziemlich genau 9 Jahre ist es her, dass Amazon mit dem „Mechanical Turk“ die erste Plattform ins Netz brachte, mit der „Crowd Work“ organisiert werden konnte. Die Sache ist eigentlich simpel, sie folgt den einfachen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Prinzip. Ein Arbeitgeber bietet auf einer Plattform einzelne kleine Arbeitspakete an, der Arbeitnehmer, nimmt sich so ein Paket, arbeitet es ab, stellt das Ergebnis über die Plattform wieder zur Verfügung, und wird dafür bezahlt.

Vielfältige Möglichkeiten für Crowdwork

Einsetzbar ist Crowdworking überall, wo die Arbeitsaufgabe klar beschreibbar und einzeln ausführbar ist und das Ergebnis digital bereitgestellt werden kann. Im besten Fall wird die Arbeit direkt in der Plattform getan. Damit sich die Sache lohnt, muss es natürlich eine Vielzahl gleicher Arbeitsaufgaben geben, sodass viele Crowdworker (eben die „Crowd“ – der „Schwarm“) angesprochen werden können, oder ein jeder relativ viele, gleichartige Aufgaben lösen kann.
Die Crowd wird nicht nur im kommerziellen Bereich tätig – unter dem schönen Titel Citizen Science spannen auch die Wissenschaften inzwischen viele Laien für Hilfsarbeiten ein, Tätigkeiten, die den Computern immer noch schwer fallen, die aber Menschen dank ihrer intuitiven Intelligenz ohne weiteres bewerkstelligen können. dazu gehört etwa das Durchsuchen von hochauflösenden Himmelsaufnahmen nach Galaxien und deren Klassifikation.
Amazon selbst hat die Crowdwokring-Plattform dazu gegründet, um CD-Cover nach unanständigen Motiven zu durchsuchen, damit uns auf der Verkaufsplattform nicht plötzlich eine barbusige Dame engegenprangt.

Die Gewerkschaften erwachen

Crowdworking geht überall
Crowdworking geht überall

Nun sind in den letzten Monaten auch die Gewerkschaften und die SPD auf den neuen Trend aufmerksam geworden, und wollen sich der Sache natürlich annehmen. Sie wittern Ausbeutung und wollen Crowdworking kontrollieren und regulieren. Das wird sicherlich eine schwierige Angelegenheit, aber wer weiß, wenn man das Thema erst mal auf europäischer Ebene angeht, wird man die Gesetze und Vorschriften sicher so formuliert bekommen, dass es den Unternehmen schwer gemacht wird, die flexiblen Ressourcen der Crowd gescheit zu nutzen.

Was sagt die Forschung zum Crowdworking?

Dabei hat die ökonomische Forschung bereits gezeigt, dass sich Crowd-Working mit den Mitteln der Marktwirtschaft ganz wunderbar selbst regulieren kann – und das tut keinem weh. Drei aktuelle Forschungsarbeiten sind dabei interessant. Lasecki et. al (2014) haben festgestellt, dass Crowdworking-Projekte vor allem zwei Gefahren ausgesetzt sind: der Manipulation der Ergebnisse durch die Crowd-Worker und der Informationsabfluss. Interessant ist, dass unzufriedene Crowd-Arbeiter sich sehr leicht dazu bringen lassen, sich an Sabotage-Aktionen gegenüber dem Arbeitgeber zu beteiligen. Man darf nicht vergessen, dass es für die Crowd-Arbeiter sehr einfach ist, sich zu vernetzen. Ein paar Klicks und eine Google-Suche weiter finden sie die potenziellen Kollaborateure.
Deshalb verweisen Dow et al. (2012) auch schon darauf, dass es gut ist, den Schwarm zu hüten, und dass es sich auszahlt, die Crowdworker individuell und gut zu behandeln, ernst zu nehmen und an den Arbeitgeber zu binden. Schon deshalb werden sich reine Ausbeuter-Modelle nicht durchsetzen. Das beweist auch, dass Citicen Science Projekte im allgemeinen bessere Qualität liefern als bezahlte Arbeit, obwohl die Hobby-Wissenschaftler ihren Anteil kostenlos erbringen – sie sind aber davon überzeugt, dass sie an einer großen, guten und wichtigen Sache mitarbeiten.

Welche Möglichkeiten eröffnen sich

Man sollte also eher die Chancen sehen, gerade, wenn man die Interessen der Arbeitnehmer vertreten will. Crowdworking schafft Möglichkeiten für erfüllte bezahlte Arbeit auch für Menschen, die aus verschiedenen Gründen ans Haus gebunden sind.
Unternehmen sollten sich fragen, welche Arbeiten sie in die Crowd auslagern können, wie da die Qualität sicher gestellt werden kann und wie die Arbeit strukturiert werden muss. Nicht immer ist das mit einer Standard-Plattform möglich, etwa, wenn Arbeitspakete voneinander abhängen oder wenn Tests und Qualitätssicherung der Arbeit hohe Priorität hat. Auch das kann die Crowd leisten. In einer Konzeptionsphase kann man überlegen, ob eine Standard-Software geeignet ist oder ob man besser eine individuelle Webanwendung erstellen sollte. Wenn Sie Interesse an den Möglichkeiten einer Crowdworking-Lösung haben, sprechen Sie uns an.

Lasecki, W. S., Teevan, J., & Kamar, E. (2014). Information extraction and manipulation threats in crowd-powered systems Proceedings of the 17th ACM conference on Computer supported cooperative work & social computing DOI: 10.1145/2531602.2531733
Dow, S., Kulkarni, A., Klemmer, S., & Hartmann, B. (2012). Shepherding the crowd yields better work Proceedings of the ACM 2012 conference on Computer Supported Cooperative Work DOI: 10.1145/2145204.2145355

Crowdworking – Zukunft der Arbeit?
Markiert in:        

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen