Durch die richtige Einordnung des Gespräches in die dargestellten Interviewformen und die Vorbereitung eines entsprechenden Leitfadens oder Fragenkataloges lassen sich die angemessenen Fragetechniken ableiten. Dabei ist zu beachten, dass beim explorativen Interview die Fragen des Analysten in erster Linie der Ermunterung zum Weitersprechen dienen:

  • Können Sie das einmal genauer erläutern?
  • Können Sie mir dafür ein Beispiel geben?
  • Kann man das verallgemeinern oder gibt es auch andere Fälle?
  • Wie gehen Ihre Kollegen mit dieser Situation um?


Allerdings muss der Analyst auch darauf achten, dass der Experte nicht vom Thema abweicht. Das ist häufig aber schwer einzuschätzen. Manchmal ergeben sich gerade durch solche „Abschweifungen“ interessante Zusatzinformationen. Außerdem muss auch die Informations- und Kooperationsbereitschaft des Experten erhalten bleiben.
Der beste Weg, den Experten wieder zum Kern des Themas zurückzuführen besteht darin, einen früheren Gegenstand noch einmal aufzugreifen:

  • Ich möchte noch einmal auf folgendes zurückkommen
  • Sie sprachen vorhin von

Im systematisierenden Interview muss die Fragetechnik vor allem auf die Vollstän-digkeit der Information ausgerichtet werden. Entlang eines Anwendungsfall-orientierten Leitfadens werden konkretisierende, verallgemeinernde oder nach Alter-nativen forschende Fragen gestellt:

  • Wie läuft dieser Prozess / dieses Verfahren genau ab?
  • Was geschieht, wenn?
  • Welche Fehlersituationen gibt es?
  • Existieren alternative Bearbeitungsverfahren?

Das theoriegenerierende Interview appelliert an die Phantasie des Experten, ohne dass diese „mit ihm durchgehen“ darf. Gut ist auch hier, über einen straffen Leitfaden zu verfügen. Dann können Fragen gestellt werden wie:

  • Können Sie sich vorstellen, dass … ?
  • Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in folgendem Verfahren?
  • Kann man das Ziel nicht auch auf diesem Weg ereichen?

Wichtig ist die zielorientierte (gegenüber der lösungsorientierten) Interviewführung. Häufig wird der Experte die aus seiner Sicht sinnvollste Lösung beschreiben. Die Frage lautet dann:

  • Welches Ziel wollen Sie damit erreichen?
  • Welche Vorteile sehen Sie darin gegenüber der bisherigen (einer anderen) Lösung?

Neben einer effektiven Fragetechnik gehört auch effektives Zuhören zu einem gelungenen Interview. Da in der Anforderungsanalyse selten mit Tonbandprotokollen gearbeitet wird, muss der Analyst die Ausführungen des Experten jederzeit verstehen und nachvollziehen können. Er muss sich deshalb permanent sicher sein, dass er das gesagte wiederholen, zusammenfassen und im Zusammenhang mit seiner Frage und dem vorher gesagten beurteilen kann. Ist dies nicht der Fall, muss er nachfragen:

  • Könnten Sie das bitte genauer erklären?
  • Wie ordnet sich dieser Umstand in den Gesamtzusammenhang ein?

Im Zweifel sollte man sich nicht scheuen, das Interview zu beenden oder eine Pause einzulegen, in der der Leitfaden überarbeitet und Detailfragen vorbereitet werden.

Fragetechniken bei der Anforderungsanalyse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir verwenden Cookies, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an soziale Medien und für Analysen weiter. Durch die Benutzung unserer Webseite stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Plugins, mit denen Sie unsere Inhalte in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Google+ teilen können. Bereits durch den Aufruf von Seiten werden Informationen an diese sozialen Medien weitergegeben. Außerdem verwenden wir Google Analytics, um die Nutzung unserer Seite analysieren zu können.

Schließen