Amazons Vorhaben, in ein paar Jahren Drohnen für die Auslieferung von Paketen einzusetzen, ist auf Skepsis und Kritik gestoßen. Das ist gerade hierzulande nicht überraschend, denn wir reden gern mehr über die Riskiken als über die Chancen neuer Technologien. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn immer, wenn in den letzten 150 Jahren die Euphorie über die Sorge triumphiert hat, kam – zumeist Jahrzehnte später – der Katzenjammer, sei es beim Autoverkehr, bei den Spraydosen oder bei der Kernkraft.

Es ist also gut so, dass sich sofort kritische Stimmen melden, wenn ein innovativer Weltmarktführer eine revolutionäre Idee ins Spiel bringt – zumal die Idee, wenn man dann genau hinsieht, so revolutionär nicht ist, in Australien etwa ist man schon ein ganzes Stück weiter. Wichtig wäre, dass man jetzt nicht aufgeregt: „Blödsinn!“ und „Geht gar nicht!“ und „Ist gar nicht zulässig!“ ruft, um dann die Diskussion für beendet zu erklären. Gerade jetzt, wo die Anwendungsfälle noch am Anfang stehen, muss die Diskussion offen, sowohl mit Freude an der Innovation als auch mit kritischem Blick für Nebenwirkungen geführt werden. Sonst passiert uns Europäern wieder das, was uns ohnehin schon oft genug passiert: Andere tun es einfach, und das „alte Europa“ zieht sorgenvoll die Stirn in Falten, um dann hinterher zu laufen, weil man keine besseren Ideen hat.

Wo also bietet der Gütertransport per Drohne Chancen, ohne dass die Risiken und Belastungen zu groß werden? Im ländlichen, dünn besiedelten Raum kann ein solches System sinnvoll sein. Es kann die schnelle Belieferung der Menschen sichern, die dann nicht mehr neidisch nach den Ballungsräumen schauen. Weniger teure Straßen für LKW-Transporte, die wenig genutzt werden, würden benötigt. Auch in ausgedehnten Gewerbegebieten oder an Industriestandorten könnten Drohnen emmisionsarme und effektive Transportmittel sein.

Natürlich ist etwa Mecklenburg-Vorpommern nicht das australische Outback, und die Tierwelt wäre hier deutlich mehr betroffen als dort. Aber dafür muss man innovative Lösungen suchen, und nicht jede Schwierigkeit, die einem auf die Schnelle einfällt, als K.O.-Kriterium betrachten. Gerade wenn man will, dass dünn besiedelte Gebiete nicht ganz verlassen werden, muss man überlegen, wie die Menschen, die da wohnen, an den Fortschritten beteiligt werden, die in Ballungsgebieten Gang und Gäbe sind. Und dazu gehören Online-Lieferdienste.

Die Diskussion muss auch deshalb jetzt geführt werden, weil die Mühlen der Gesetzgebung langsam mahlen. Heute wäre ein sinnvoller Einsatz von Drohnen in Deutschland nicht möglich, also muss man darüber diskutieren, wie man ihn möglich macht und was dabei zu beachten ist, damit alle Interessen berücksichtigt werden.

Nicht zuletzt kann so ein System, das für ländliche Gebiete oder in Industriegebieten auch  in Deutschland einsetzbar ist, auch ein Exportschlager werden. Auch deshalb sollte man hierzulande die Diskussion eher nutzensorientiert führen, denn schließlich ist Deutschland Exportweltmeister – und will es mit guten Gründen auch bleiben.

Drohnende Zukunft

Ein Gedanke zu „Drohnende Zukunft

  • 11. Dezember 2013 um 12:01
    Permalink

    Wenn sich die Schreiber von Drohnenartikeln die Mühe machen würden, die bereits realisierten technischen Entwicklungen in militärischen und zivilen Sphären anzuschauen, dann fehlt der Idee von Amazon gar nicht mehr so viel. Zumindest bei schönem Wetter könnte eine solche Zustellung schon jetzt auf den letzten Meile stattfinden.
    Schaut man auf die Radmap der europäischen Flugsicherung, kann man erkennen, dass schon in wenigen Jahren ferngesteuerte Flug- und Schwebeplattformen auch außerhalb der Sichtweite des Steuerers betrieben werden dürfen. Technisch ist dies ohnehin schon jetzt kein Problem mehr.
    Es gibt auch bereits Software und Sensoren, die ferngesteuerte Flug- und Schwebeplattformen vor der Kollision mit anderen Flugobjekten bewahren können.
    Der Dauerflugrekord einer Drohne wird von einem solarelektrischen Gerät gehalten und liegt bei 332 Stunden.
    Detaillierte Geländemodelle und Hindernisdaten ermöglichen eine sichere Navigagtion auch in rauhem Gelände.
    Ob allerdings der Einsatz von Schwebeplattformen für eine Zustellung tatsächlich wirtschaftlich sein kann, wird sich zeigen müssen. In Europa wird nach geltendem Recht ein solches Flugobjekt immer von einem „Piloten“ überwacht werden müssen.
    Beim US-MIlität gibt es bereits personelle Engpässe für diese neue Berufsgruppe. Und eines ist aus dem militärischen Einsatzfeld auch bekannt, die Absturzquote der Drohnen ist höher als bei herkömmlichen Flugzeugen. Für den Privatmann ist bereits für unter 100 € ein elektrischer Modell-Hubschrauber mit Wasserpistole oder Fotoapparat zu bekommen. Nur die Persönlichkeitsrechte muss dieser Privatflieger dann noch beachten. Der gewerbliche Betreiber von ferngesteuerten Luftfahrzeugen muss jedoch eine Aufstiegserlaubnis erwerben und den umfangreichen und durchaus sinnvollen Katalog der Einsatzbeschränkuingen beachten.

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