Migrations-Prototypen

Veröffentlicht von Maik am 25. April 2013

Die Migration einer Software auf eine neue Plattform steht an, und die Machbarkeit soll getestet werden, außerdem sollen die größten technischen Herausforderungen identifiziert werden. Die Entwicklung eines Prototypen ist dafür die beste Methode. Was sollte dazu gehören?

Der Prototyp sollte einen Durchstich durch alle Schichten der Anwendung realisieren, somit etwa das Lesen und Schreiben von Daten, die Businesslogik und die Oberfläche umfassen. Allerdings muss hier genauer hingesehen werden. Wenn z.B. die GUI verschiedene Typen von Funktionen umfasst, sollte jeder Typ im Prototypen repräsentiert sein, Masken ebenso wie die Programmsteuerung und Reports. Das Gleiche gilt für die anderen Schichten der Anwendung.

Der Prototyp soll zeigen, wie die Migration erfolgen kann, und das betrifft zweierlei:

  1. Wie wird aus den Architekturzusammenhängen der Altanwendung die Architektur der zukünftigen Anwendung? Wenn die Altanwendung z.B. eine Client-Server-Anwendung ist, die in eine Webumgebung migriert werden soll, dann ist damit zumeist auch eine neue Anwendungsarchitektur verbunden. Ein Prototyp ist also immer auch Architekturprototyp.
  2. Wie kann der Code der Altanwendung möglichst systematisch (automatisch oder nach engen Programmierrichtlinien) in die neue Architektur übertragen werden? In der Regel ist das mit einem Refactoring der Businesslogik verbunden. Der Prototy sollte es erlauben, strikte Anweisungen für die „Umarbeitung“ einer Anwendungsfunktion auf die neue Plattform zu definieren, oder sogar Codegeneratoren zu konzipieren, die aus dem alten Code den neuen erzeugen – wenigstens zum großen Teil.

Schließlich sollte ein Migrationsprototyp möglichst auch ein Oberflächenprototyp sein. An der Oberfläche muss eine Applikationsmigration immer den größten Spagat vollbringen: Einerseits soll der Anwender die vertrauten Funktionen ohne weiteres intuitiv wiederfinden, andererseits hat er zumeinst auch eine Erwartung, wie eine Anwendung in der neuen Umgebung auszusehen hat. Eine PC-Anwendung hat bestimmte typische Oberflächenelemente, die eine Web-Applikation nicht oder anders implementiert – und umgekehrt. Ein Oberflächenprototyp kann zeigen, wie die vertrauten Elemente sich plausibel in der neuen Umgebung wiederfindenlassen – Migration von Anwendungen ist immer ein bisschen so wie behutsame Fassadensanierung, man möchte modernisieren, aber den vertrauten Charme auch bewahren.

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